Ein Lunker ist ein innerer Hohlraum oder eine Porosität im Bauteil, die durch Schrumpfung während der Abkühlung entsteht. Anders als Einfallstellen liegt der Effekt oft unter der Oberfläche und ist von außen nicht immer sofort zu sehen. Besonders bei massigen Bereichen kann der Kern noch flüssig sein, während die äußere Schicht bereits erstarrt. Wenn der Kern dann weiter schrumpft und kein Material nachfließen kann, entstehen Hohlräume.

Im Spritzguss sind Lunker eng mit dem Thema Nachdruck verbunden. Der Nachdruck soll die Volumenabnahme ausgleichen, indem zusätzliche Schmelze in die Kavität gedrückt wird. Das funktioniert aber nur, solange der Anschnitt nicht zugefroren ist. Ist der Anschnitt zu klein, zu lang oder ungünstig temperiert, schließt er früh und verhindert die Nachspeisung. Auch eine zu kurze Nachdruckzeit oder ein zu niedriger Nachdruck kann Lunker begünstigen, weil die Schmelze im Kern nicht ausreichend kompensiert wird.

Konstruktiv sind Lunker häufig ein Hinweis auf zu große Wanddicken oder schlecht ausgelegte Verstärkungen. Massive Querschnitte in Kombination mit Rippen oder Bossen sind klassische Problemzonen. Eine ausgewogene Wandstärke und saubere Übergänge reduzieren nicht nur Einfallstellen, sondern auch das Risiko von Lunkern. Bei der Werkzeugauslegung spielen die Position des Anspritzpunkts und der Fließweg eine Rolle, weil eine entfernte, schlecht gespeiste Zone schneller unterversorgt sein kann.

In der Praxis werden Lunker oft über Röntgenprüfung, CT oder zerstörende Schliffe erkannt. Je nach Anwendung können sie kritisch sein, etwa bei Druckbelastung, Dichtflächen oder sicherheitsrelevanten Bauteilen. Kleine Poren sind nicht automatisch Ausschuss, aber sie können die Festigkeit und die Dichtheit beeinflussen. Deshalb ist es wichtig, die Anforderungen aus der Funktion und der Spezifikation zu kennen.

Neben Nachdruck und Geometrie können auch Material und Verarbeitung eine Rolle spielen. Einige Werkstoffe zeigen stärkeres Schrumpfverhalten, andere sind empfindlicher gegenüber falscher Temperierung. Auch eine ungleichmäßige Kühlung kann den Lunker an bestimmte Stellen „ziehen“, weil der Kern unterschiedlich lange flüssig bleibt. Oft hängt das auch mit Schwindung und Verzug zusammen.

Wer Lunker vermeiden will, kombiniert eine bauteilgerecht reduzierte Wanddicke mit einem robusten Nachdruckfenster und einem passenden Anschnittkonzept. So lässt sich die Nachspeisung sicherstellen, ohne andere Fehler wie Grat oder Überpacken zu erzeugen. Siehe auch: Einfallstellen, Nachdruck, Schwindung.