PolyJet ist ein additives Fertigungsverfahren, bei dem flüssige Photopolymere ähnlich wie beim Tintenstrahldruck in feinsten Tröpfchen aufgetragen und unmittelbar mit UV-Licht ausgehärtet werden. Durch das schichtweise Aufbauen entstehen sehr detailreiche Bauteile mit glatten Oberflächen. PolyJet wird häufig mit Begriffen wie Material Jetting, UV-Härtung, Mehrmaterialdruck und Stützmaterial beschrieben. Besonders charakteristisch ist die Möglichkeit, mehrere Materialien in einem Bauteil zu kombinieren, etwa unterschiedliche Härten oder farbige Bereiche.
In der Kunststofftechnik wird PolyJet vor allem für Prototypen genutzt, die optisch und haptisch nahe an Serienbauteilen liegen sollen. Typische Anwendungen sind Designmuster, Funktionsmodelle mit Sichtflächen, Dichtsimulationen oder Baugruppen, bei denen man Passungen und Montagefolgen testen möchte. Auch für Anschauungsteile und Kommunikationsmodelle ist PolyJet praktisch, weil Details wie Beschriftungen, feine Raster oder transparente Bereiche gut darstellbar sind. Für belastete Serienteile ist PolyJet hingegen nur bedingt geeignet, weil Photopolymere andere mechanische und chemische Eigenschaften haben als klassische Thermoplaste.
Einflussfaktoren sind Materialauswahl, Bauteilorientierung und Nachbearbeitung. Die Orientierung beeinflusst, wo Stützmaterial anliegt und welche Flächen nach dem Entfernen der Stützen sichtbare Spuren zeigen. Auch die Schichtdicke und die Art der Aushärtung beeinflussen die Oberflächenqualität. Nachbearbeitung wie Entfernen von Stützmaterial, Reinigen und gegebenenfalls Nachhärten bestimmt, wie sauber Kanten und Details ausfallen. Bei Mehrmaterial-Bauteilen spielt zusätzlich die Grenzfläche zwischen den Materialien eine Rolle, weil dort Steifigkeitswechsel zu lokalem Verzug oder Spannungen führen können.
Typische Risiken sind Maßabweichungen bei empfindlichen Geometrien, Oberflächenmarken durch Stützen sowie Alterung oder Versprödung bestimmter Harzsysteme. Auch Temperatur und UV-Einwirkung können Eigenschaften verändern, was bei Prüfaufbauten oder länger genutzten Mustern relevant ist. Wenn Bauteile später lackiert, verklebt oder beschichtet werden sollen, ist die Oberflächenvorbehandlung wichtig, weil Rückstände die Haftung stören können. Für Passungen empfiehlt es sich, Toleranzen nicht zu eng zu wählen und Funktionsflächen so zu orientieren, dass sie möglichst ohne Stützen entstehen.
Im Zusammenspiel mit Spritzguss ist PolyJet vor allem ein Werkzeug für schnelle Entscheidungen: Geometrie, Ergonomie, Sichtflächen und Montage lassen sich früh validieren, bevor Werkzeugänderungen teuer werden. PolyJet kann auch nützlich sein, um schnell Montagevorrichtungen oder Prüflehren zu erstellen, wenn die Belastung niedrig ist und die Stabilität ausreicht. Für dauerhafte Funktionsteile sind dagegen Verfahren mit thermoplastischen Werkstoffen, etwa Pulverbettverfahren oder Spritzguss, meist die bessere Wahl.
