Jetting beschreibt ein Strömungsbild im Spritzguss, bei dem die Schmelze nicht gleichmäßig an der Werkzeugwand entlangfließt, sondern als „Strahl“ in die Kavität schießt. Dadurch entstehen sichtbare, meist schlangenförmige Linien und eine unruhige Oberfläche. Jetting tritt besonders dann auf, wenn die Schmelze aus dem Anschnitt mit hoher Geschwindigkeit in einen vergleichsweise offenen Bereich eintritt, ohne sofort an der Wand anzulegen. Die Fließfront kühlt dabei ungleichmäßig ab, und die spätere Anströmung überlagert den bereits abgekühlten Strang.

Ein wesentlicher Einflussfaktor ist die Kombination aus Anschnittgeometrie, Einspritzgeschwindigkeit und Bauteilgeometrie. Wenn der Anschnitt direkt in eine große Wandfläche oder in einen Hohlraum spritzt, fehlt der Führungseffekt. Die Schmelze bildet dann eine Art „Kordel“, die sich durch die Kavität zieht, statt sich flächig auszubreiten. Besonders häufig ist Jetting bei dünnwandigen Bauteilen mit langen Fließwegen oder bei Teilen, bei denen der Anguss ungünstig auf eine freie Fläche zeigt.

Prozessseitig wird Jetting durch eine zu hohe Einspritzgeschwindigkeit am Anfang der Füllung verstärkt. Die Schmelze wird regelrecht in den Hohlraum geschossen, bevor sich eine stabile Fließfront aufbauen kann. Auch eine zu hohe Schmelzetemperatur kann die Situation verschärfen, weil die Schmelze sehr leicht fließt und sich schlechter „anlegt“. Gleichzeitig kann ein zu kaltes Werkzeug dazu führen, dass der erste Strang schnell erstarrt und als sichtbare Spur stehen bleibt. In vielen Fällen lässt sich Jetting reduzieren, indem man das Einspritzprofil so gestaltet, dass der Start langsamer erfolgt und erst nach dem Anlegen an der Wand beschleunigt wird.

Konstruktiv helfen Anschnittvarianten, die den Fluss direkt an die Wand lenken. Ein Filmanguss, ein Fächeranguss oder eine gezielte Anströmung auf eine Wandfläche kann dafür sorgen, dass die Schmelze sofort breit läuft. Auch eine Anpassung des Anschnittquerschnitts kann den Strahlcharakter reduzieren. Bei bestehenden Werkzeugen sind solche Änderungen nicht immer trivial, aber schon kleine Anpassungen an Angussrichtung oder Anschnittlage können Jetting deutlich entschärfen.

Jetting ist in erster Linie ein Oberflächenfehler, kann aber je nach Bauteilanforderung auch die lokale Festigkeit und Maßhaltigkeit beeinflussen, weil die Erstarrung ungleichmäßig abläuft. Wenn Jetting sichtbar ist, lohnt sich daher nicht nur eine optische Bewertung, sondern auch ein Blick auf die Prozessstabilität. Siehe auch: Anschnitt, Fließlinien, Einspritzgeschwindigkeit.