Die Nachdruckzeit ist die Dauer, in der nach der Füllphase ein definierter Nachdruck auf die Schmelze wirkt. Ziel ist, die Volumenabnahme durch Abkühlung zu kompensieren und das Bauteil zu verdichten, solange noch Material über den Anschnitt nachfließen kann. Die Nachdruckzeit hat damit direkten Einfluss auf Maßhaltigkeit, Gewichtskonstanz und die Vermeidung von Einfallstellen oder Lunkern. Gleichzeitig ist sie ein wichtiger Teil der Zykluszeit und muss wirtschaftlich sinnvoll eingestellt werden.

Entscheidend ist der Zusammenhang zwischen Nachdruckzeit und dem Zufrieren des Anschnitts. Solange der Anschnitt nicht erstarrt ist, kann Nachdruck Material nachspeisen und die Schwindung ausgleichen. Sobald der Anschnitt zu ist, wird die Kavität vom Anguss getrennt. Ab diesem Zeitpunkt bringt zusätzlicher Nachdruck keine weitere Verdichtung des Bauteils, weil keine Masse mehr nachfließen kann. In der Praxis wird dieser Punkt oft über Gewichtskurven ermittelt: Man erhöht die Nachdruckzeit schrittweise und beobachtet, ab wann das Teilegewicht nicht mehr steigt. Diese Sättigung zeigt, dass längere Nachdruckzeiten keinen Nutzen mehr bringen.

Eine zu kurze Nachdruckzeit führt häufig zu Einfallstellen, Lunkern oder schwankenden Maßen, weil die Verdichtung zu früh endet. Das Problem verstärkt sich bei massigen Bereichen, langen Fließwegen oder kleinen Anschnitten, die schnell zufrieren. Eine zu lange Nachdruckzeit ist dagegen nicht automatisch schädlich, kann aber unnötig Zykluszeit kosten und bei instabilen Prozessen auch zu Überpackungstendenzen beitragen, wenn Umschaltpunkt oder Nachdruckniveau nicht sauber passen. Außerdem kann eine lange Druckphase die Werkzeugbelastung erhöhen, ohne dass die Bauteilqualität weiter steigt.

Die optimale Nachdruckzeit hängt von mehreren Faktoren ab: Anschnittquerschnitt, Werkzeugtemperatur, Material und Bauteilgeometrie. Ein größerer Anschnitt friert später zu und erlaubt längere Nachspeisung, während ein kleiner Anschnitt schnell schließt und die wirksame Nachdruckzeit begrenzt. Auch die Werkzeugtemperatur beeinflusst, wie schnell der Anschnitt erstarrt. Je kälter das Werkzeug, desto schneller ist der Anschnitt zu, was die Nachdruckzeit verkürzt, aber nicht immer die beste Qualität ergibt. Umgekehrt kann eine wärmere Temperierung die Nachspeisung verlängern, muss aber zur Entformungsstabilität passen.

In der Praxis ist die Nachdruckzeit ein Stellhebel, der nur zusammen mit Umschaltpunkt und Nachdruckniveau sinnvoll bewertet werden kann. Wenn der Umschaltpunkt falsch gesetzt ist, kann eine lange Nachdruckzeit trotzdem keine stabilen Maße liefern. Wer die Nachdruckzeit über eine saubere Sättigungsbetrachtung definiert, erhält meist die beste Kombination aus Qualität und Zykluszeit. Siehe auch: Nachdruck, Umschaltpunkt, Anschnitt.