Der Staudruck ist der Gegendruck, der beim Plastifizieren während der Schneckendrehung aufgebaut wird. Er wirkt der Materialförderung entgegen und beeinflusst, wie stark die Schmelze in der Plastifiziereinheit verdichtet, gemischt und entgast wird. Staudruck ist damit kein Parameter der Kavitätenfüllung direkt, aber er hat einen großen Einfluss auf die Schmelzequalität und damit indirekt auf Oberflächen, Maßkonstanz und Prozessstabilität.
Ein höherer Staudruck führt typischerweise zu besserer Durchmischung, gleichmäßigerer Temperaturverteilung und einer stabileren Dosierung. Das kann helfen, Pigmente und Masterbatch sauber zu verteilen und Schwankungen in Viskosität zu reduzieren. Gleichzeitig erhöht hoher Staudruck die Scherung und damit die Erwärmung der Schmelze. Das kann gewünscht sein, kann aber auch riskant werden, wenn das Material empfindlich ist oder wenn die Verweilzeit ohnehin hoch ist. Zu hoher Staudruck kann dann thermische Belastung, Materialabbau oder sogar Gasbildung begünstigen, was sich später als Silberschlieren oder Verbrennungen äußern kann.
Ein zu niedriger Staudruck kann umgekehrt dazu führen, dass die Schmelze schlechter homogenisiert wird. Dann können Temperaturinseln, ungleichmäßig verteilte Additive oder Lufteinschlüsse in der Schmelze verbleiben. Das zeigt sich in der Praxis oft als schwankende Oberflächenqualität, wechselnde Viskosität oder als instabile Teilegewichte. Besonders bei Farbwechseln oder bei gefüllten Materialien kann ein zu niedriger Staudruck die Mischqualität sichtbar verschlechtern. Auch bei Entgasungsproblemen kann der Staudruck eine Rolle spielen, weil er die Kompression in der Schnecke beeinflusst.
Der Staudruck wirkt zudem auf die Dosierzeit und auf die Prozessenergie. Ein höherer Staudruck kann die Plastifizierung verlängern und damit den Zyklus beeinflussen. Deshalb wird er nicht maximal, sondern passend eingestellt. In der Praxis wählt man oft einen Staudruck, der gerade genug Mischqualität liefert, ohne das Material unnötig zu scheren. Bei empfindlichen Kunststoffen oder engen Toleranzen lohnt sich eine saubere Dokumentation, weil schon kleine Änderungen am Staudruck das Teilegewicht oder die Oberfläche messbar verändern können.
Beim Troubleshooting wird der Staudruck häufig unterschätzt. Wenn Fehlerbilder wie Schlieren, Blasen oder schwankende Viskosität auftreten, lohnt sich ein Blick auf die Plastifizierung, nicht nur auf Einspritzprofil und Nachdruck. Ein stabiler Staudruck trägt dazu bei, dass die Schmelze reproduzierbar ist und der Restprozess überhaupt stabil arbeiten kann. Siehe auch: Plastifizierung, Schmelzetemperatur, Masterbatch.
