Die Werkzeugtemperatur beschreibt die Temperatur der formgebenden Werkzeugoberflächen während des Spritzgießprozesses. Sie beeinflusst, wie schnell die Schmelze an der Wand erstarrt, wie gut die Oberfläche abgebildet wird und wie stark das Bauteil später schwindet und sich verzieht. In vielen Fällen ist die Werkzeugtemperatur der entscheidende Parameter für optische Qualität, weil sie bestimmt, ob sich eine gleichmäßige Oberfläche ausbildet oder ob Fließspuren, Orangenhaut oder matte Zonen sichtbar werden.

Ist die Werkzeugtemperatur zu niedrig, erstarrt die Oberfläche sehr früh. Das kann zu Fließlinien, Bindenähten mit schlechterer Verschmelzung oder zu einer insgesamt raueren Oberfläche führen. Gleichzeitig steigt der erforderliche Einspritzdruck, weil die Schmelze schneller abkühlt und zäher wird. In extremen Fällen kann das sogar Kurzschluss begünstigen, obwohl Schmelzetemperatur und Einspritzprofil eigentlich passen. Eine niedrige Werkzeugtemperatur kann außerdem die Nachdruckwirkung begrenzen, weil der Anschnitt schneller zufriert und die wirksame Nachdruckzeit kürzer wird.

Ist die Werkzeugtemperatur zu hoch, bleibt die Oberfläche länger weich und kann sich besser ausnivellieren. Das verbessert häufig Glanz und Detailabbildung, erhöht aber auch die Gefahr, dass das Teil beim Entformen noch nicht formstabil ist. Dann nehmen Verzug, Auswerferabdrücke oder Entformungsprobleme zu. Außerdem kann eine zu warme Werkzeugführung die Zykluszeit erhöhen, weil mehr Energie abgeführt werden muss. Bei bestimmten Fehlerbildern, etwa Verbrennungen, wirkt die Werkzeugtemperatur indirekt mit, weil sie den Druckbedarf und die Luftverdrängung beeinflusst.

Wichtig ist nicht nur die absolute Temperatur, sondern auch die Gleichmäßigkeit. Eine ungleichmäßige Temperierung führt zu Temperaturgradienten im Bauteil. Dann schwindet das Teil lokal unterschiedlich, und es entstehen Verzug, Maßabweichungen oder sichtbare Zonen. Verschmutzte Kühlkanäle, falsch eingestellte Temperiergeräte oder eine ungleichmäßige Anbindung können dazu führen, dass die Werkzeugtemperatur langsam driftet. Das zeigt sich oft als Maßdrift, obwohl die Maschineneinstellungen gleich bleiben.

In der Praxis wird die Werkzeugtemperatur deshalb als Teil des Gesamtfensters betrachtet: zusammen mit Schmelzetemperatur, Einspritzprofil, Nachdruck und Kühlzeit. Wenn Sichtteile Probleme machen, ist die Werkzeugtemperatur oft der erste Parameter, der eine spürbare Änderung bringt. Gleichzeitig sollte jede Anpassung mit Entformung und Zyklus abgeglichen werden, damit aus besserer Oberfläche nicht neue Probleme entstehen. Siehe auch: Temperierung, Kühlzeit, Oberflächenqualität.