Vapor Smoothing, auf Deutsch meist Dampfglätten, ist ein Verfahren zur Nachbearbeitung von 3D-gedruckten Kunststoffteilen, bei dem die Oberfläche durch Lösungsmitteldampf geglättet wird. Dabei werden die obersten Schichten kurzzeitig angelöst und fließen minimal zusammen, wodurch die typische Schichtstruktur weniger sichtbar wird. Das Ergebnis ist eine deutlich glattere Oberfläche mit verändertem Glanzgrad und oft besserer Reinigbarkeit. Gleichzeitig verändert Dampfglätten die Oberfläche funktional, was bei Passungen und Sichtteilen berücksichtigt werden muss.

Im Kontext Kunststofftechnik ist Dampfglätten vor allem bei Verfahren relevant, die eine ausgeprägte Schichtstruktur erzeugen, etwa beim Filamentdruck. Im Vergleich zum Spritzguss, wo Oberflächen direkt aus der Werkzeugoberfläche entstehen, ist die Oberfläche im 3D-Druck stark von Schichtdicke und Bahnführung geprägt. Dampfglätten kann diese Struktur optisch stark reduzieren, ersetzt aber keine saubere Prozessführung. Auch das Material ist entscheidend, weil nicht jeder Kunststoff gleich gut auf Lösungsmitteldampf reagiert und die chemische Beständigkeit sehr unterschiedlich ist.

Typische Anwendungen sind Gehäuse, Abdeckungen, Sichtteile, Prototypen für Designreviews und Bauteile, die später gereinigt oder abgewischt werden müssen. Dampfglätten kann auch genutzt werden, um Oberflächenporen zu reduzieren, was bei einfachen Dichtanforderungen hilfreich sein kann. Gleichzeitig ist Vorsicht nötig, wenn das Bauteil enge Passungen hat oder wenn Oberflächen als Funktionsflächen dienen. Durch das Anlösen können Kanten verrundet werden, Details verlieren Schärfe und Maße können sich verändern, was die Maßhaltigkeit beeinträchtigt.

Einflussfaktoren sind Materialtyp, Bauteilgeometrie, Expositionszeit und die Art der Nachbehandlung. Zu lange oder ungleichmäßige Einwirkung kann zu welligen Oberflächen, lokalen Einbrüchen oder klebrigen Bereichen führen. Dünnwandige Bereiche können sich verformen, weil sie durch die angelöste Oberfläche vorübergehend weniger steif sind. Auch vorhandene Restspannungen aus dem Druckprozess können sich bemerkbar machen, wenn die Oberfläche an Wärme und Lösungsmittel gekoppelt weich wird. Dann kann es zu Verzug oder zu feinen Rissen nach dem Aushärten kommen, insbesondere an Kerbstellen.

Typische Fehlerbilder sind ungleichmäßiger Glanz, „Orangenhaut“, weiche Kanten, Detailverlust und Maßänderungen an Passflächen. Auch eingeschlossene Dämpfe oder Rückstände können Geruch oder Verfärbungen verursachen, wenn Prozessführung und Trocknung nicht passen. Für die Planung ist sinnvoll, kritische Maße nicht auf Flächen zu legen, die stark geglättet werden, oder konstruktiv Reserve vorzusehen. Wenn eine definierte Oberfläche gefordert ist, sollte Dampfglätten als Prozessschritt früh eingeplant werden, weil es die Oberflächencharakteristik systematisch verändert.

Dampfglätten kann die Optik und Haptik von Druckteilen stark verbessern und die Oberfläche für bestimmte Anwendungen praktikabler machen. Der Nutzen ist besonders hoch bei Sichtteilen und bei Geometrien, die sonst nur mit viel Schleifen nachbearbeitet werden könnten. Damit das Ergebnis reproduzierbar ist, müssen Material, Geometrie und Prozessführung zusammenpassen, und die Auswirkungen auf Funktion und Passungen sollten von Anfang an mitgedacht werden.