Strahlen (Bead Blasting) ist ein Verfahren zur mechanischen Oberflächenbehandlung, bei dem feine Strahlmittel unter Druck auf ein Bauteil aufgebracht werden. Ziel ist eine definierte Oberflächenrauheit, eine gleichmäßige Optik oder das Entfernen von leichten Anhaftungen. In der Kunststofftechnik wird Bead Blasting vor allem als Nacharbeit eingesetzt, etwa um Oberflächen zu egalisieren oder eine matte, blendfreie Anmutung zu erzeugen. Als nahe Begriffe werden häufig Glasperlenstrahlen, Druckstrahlen, Mattieren, Oberflächenfinish und Strahlmittel im gleichen Kontext genannt.

Im Umfeld von Spritzguss kann Strahlen an Kunststoffteilen sinnvoll sein, wenn sichtbare Bereiche eine gleichmäßige Struktur erhalten sollen oder wenn an Funktionsflächen ein leichtes “Anrauen” für nachfolgende Schritte gewünscht ist. Ebenso ist das Verfahren im Werkzeug- und Formenbau relevant, allerdings dann meist am Werkzeug selbst, um eine definierte Werkzeugoberfläche zu erzeugen, die sich später im Bauteil abbildet. Bei additiven Verfahren wie MJF, SLS oder SLM wird Strahlen häufig genutzt, um Pulverreste zu entfernen und die Oberfläche zu vereinheitlichen, bevor weitere Schritte wie Beschichten oder Lackieren folgen.

Wesentliche Einflussfaktoren sind das Strahlmittel (z. B. Glasperlen, Keramikperlen oder Kunststoffgranulat), die Korngröße, der Strahldruck, der Abstand und der Auftreffwinkel. Bei Kunststoffen spielt zusätzlich das Materialverhalten eine große Rolle: zähe Polymere reagieren anders als sprödere Werkstoffe, und faserverstärkte Kunststoffe können eine andere optische Wirkung zeigen. Auch die Bauteilgeometrie beeinflusst das Ergebnis, weil Kanten, Vertiefungen und Rippen je nach Zugänglichkeit unterschiedlich stark beaufschlagt werden.

Typische Risiken sind Oberflächenbeschädigungen wie Mikrokratzer, Aufhellungen, lokale Verdichtungen oder eine unerwünschte Veränderung der Maßhaltigkeit bei empfindlichen Passflächen. Bei weichen Kunststoffen kann es zudem zu Aufschmierungen kommen, wenn das Strahlbild zu aggressiv gewählt wird. Ein weiteres Fehlerbild ist ein fleckiges Erscheinungsbild durch ungleichmäßige Düsengeschwindigkeit oder wechselnde Strahlmittelqualität. Auch eingetragene Partikel können problematisch sein, wenn nach dem Strahlen nicht ausreichend gereinigt wird.

Für die Auslegung ist wichtig, früh zu klären, ob Strahlen primär ein optisches Finish, eine definierte Rauheit oder eine Vorbereitung für nachfolgende Prozesse liefern soll. Kritische Funktionsflächen sollten entweder maskiert oder mit konservativen Parametern behandelt werden. In der Prozessplanung hilft eine Bemusterung mit Referenzflächen, um das gewünschte Mattieren reproduzierbar zu treffen und den Übergang zu anderen Nacharbeitsschritten stabil zu halten.