Die Schließkraft ist die Kraft, mit der die Spritzgießmaschine das Werkzeug während Einspritzen und Nachdruck geschlossen hält. Sie soll verhindern, dass sich die Trennebene unter Druck minimal öffnet und Schmelze in die Spalte gedrückt wird. Eine korrekt gewählte Schließkraft ist damit ein wichtiger Faktor für Gratfreiheit, Maßkonstanz und Werkzeugschutz. Gleichzeitig ist sie nicht einfach „je mehr, desto besser“, weil zu hohe Schließkraft das Werkzeug unnötig belastet und Probleme in anderen Bereichen verdecken kann.

Ist die Schließkraft zu niedrig, kann es bei hohem Kavitätsdruck zum Aufdrücken kommen. Dann entsteht Gratbildung, oft an der Trennebene, an Schiebern oder in Bereichen, die ohnehin empfindlich sind. Häufig verstärkt sich der Grat, wenn Einspritzgeschwindigkeit oder Nachdruck steigen, weil der Druck auf das Werkzeug zunimmt. In solchen Fällen wirkt eine Erhöhung der Schließkraft manchmal wie eine schnelle Lösung, doch sie behebt nicht zwangsläufig die Ursache. Wenn der Druckbedarf nur deshalb hoch ist, weil Entlüftung schlecht ist oder der Prozess zu kalt gefahren wird, sollte man diese Punkte ebenfalls prüfen.

Ist die Schließkraft sehr hoch eingestellt, schließt das Werkzeug zwar sicher, aber es entstehen andere Risiken. Hohe Schließkräfte können zu erhöhtem Werkzeugverschleiß, zu stärkeren Stempelungen an Trennflächen oder zu Problemen bei empfindlichen Schiebern führen. Außerdem kann eine zu hohe Schließkraft feine Entlüftungsspalte „zudrücken“. Dann wird Luft schlechter abgeführt, und Fehlerbilder wie Verbrennungen oder Fließstörungen können begünstigt werden, obwohl eigentlich genug Entlüftung vorhanden wäre. Auch das Entformen kann indirekt beeinflusst werden, wenn das Werkzeug stärker verspannt ist und Passungen weniger sauber laufen.

Die richtige Schließkraft hängt von Bauteilgröße, projizierter Fläche, Werkzeugaufbau und dem erwarteten Kavitätsdruck ab. In der Praxis ist ein stabiler, gratfreier Prozess mit möglichst moderatem Druckbedarf das Ziel. Eine saubere Auslegung von Einspritzprofil und Umschaltpunkt reduziert Druckspitzen, wodurch auch die notwendige Schließkraft sinkt. Ebenso kann eine gute Entlüftung den Druckbedarf deutlich verringern. Dann arbeitet die Maschine „entspannter“, und die Schließkraft muss nicht als Sicherheitsnetz missbraucht werden.

Beim Troubleshooting ist es wichtig, Schließkraft nicht isoliert zu betrachten. Wenn Grat auftritt, kann das an zu wenig Schließkraft liegen, aber genauso an Werkzeugverschleiß oder an zu hohen Druckspitzen. Eine sinnvolle Bewertung kombiniert daher Sichtprüfung der Trennebene, Prozessdaten und die Betrachtung, wann der Grat entsteht. So lässt sich die Ursache sauber trennen und dauerhaft beheben. Siehe auch: Gratbildung, Entlüftung, Kavitätsdruck.