Regranulat ist aufbereitetes Kunststoffmaterial, das aus Produktionsabfällen, Angüssen, Anfahrteilen oder aus recycelten Kunststoffströmen entsteht und nach dem Zerkleinern und erneuten Granulieren wieder als Verarbeitungsmaterial eingesetzt wird. In der Praxis spricht man je nach Herkunft auch von Mahlgut, Rezyklat, Regenerat, Recompounds oder schlicht von Recyclingmaterial. Regranulat kann als sortenreines Material vorliegen oder als Mischung, abhängig von Sammel- und Aufbereitungsprozess.
Im Kontext Spritzguss wird Regranulat häufig genutzt, um interne Kreisläufe zu schließen, etwa indem Angüsse und Ausschussteile dem Materialstrom wieder zugeführt werden. Das funktioniert besonders gut, wenn Materialtyp, Farbe und Zusatzstoffe konstant bleiben. Bei extern bezogenem Regranulat aus Post-Industrial- oder Post-Consumer-Strömen ist die Streuung meist höher, was sich auf Maßhaltigkeit, Oberfläche und mechanische Eigenschaften auswirken kann. Auch im Werkzeug- und Formenbau spielt das Thema indirekt eine Rolle, weil Materialschwankungen die Prozessfenster verändern und damit Auslegung, Entlüftung und Anschnittgestaltung beeinflussen können.
Wichtige Einflussfaktoren sind die Materialreinheit, der Anteil an Fremdpolymeren, Restfeuchte, Partikelgröße sowie die thermische Vorschädigung. Jeder erneute Aufschmelzvorgang kann zu Polymerabbau führen, was sich als veränderte Viskosität, Geruch oder geringere Schlagzähigkeit zeigt. Bei faserverstärkten Kunststoffen ist zusätzlich die Faserlänge relevant, weil sie durch mechanische Beanspruchung beim Mahlen und beim erneuten Plastifizieren sinken kann. Auch Pigmente und Additive können sich über mehrere Kreisläufe anreichern oder in ihrer Wirksamkeit abnehmen.
Typische Fehlerbilder bei Regranulat sind Schlieren, Farbabweichungen, Punkte durch Verunreinigungen, erhöhte Porigkeit oder instabile Verarbeitung mit schwankendem Fülldruck. Bei hygroskopischen Materialien kann unzureichende Trocknung zu Silberschlieren oder Blasen führen. Bei Sichtteilen sind Glanz- und Strukturunterschiede häufig, weil Regranulat chargenbedingt anders fließt oder unterschiedlich kristallisiert. In Funktionsbauteilen kann das Risiko in einer verminderten Langzeitbeständigkeit liegen, wenn das Material bereits vorgealtert ist oder Kontaminationen enthalten sind.
Für eine robuste Planung ist es sinnvoll, Regranulat klar zu klassifizieren und dessen Einsatzbereich festzulegen: Sichtteile, Maßteile und sicherheitskritische Bauteile haben unterschiedliche Toleranzen gegenüber Schwankungen. Prozessseitig helfen stabile Trocknung, definierte Dosierung und eine Plastifizierung, die die Mischung homogenisiert. In der Bemusterung sollte geprüft werden, wie sich Regranulatanteile auf Oberfläche, Zykluszeit und Maßstreuung auswirken, damit der Anteil im Serienprozess innerhalb eines beherrschten Fensters bleibt.
