Moldflow ist eine verbreitete Bezeichnung für softwaregestützte Spritzguss-Simulation, bei der der Materialfluss, der Druckverlauf und häufig auch Nachdruck, Kühlung und Verzugsverhalten berechnet werden. In vielen Projekten wird „Moldflow“ umgangssprachlich als Synonym für die gesamte CAE-Analyse im Spritzguss verwendet, auch wenn es sich eigentlich um ein konkretes Werkzeug in der Simulationslandschaft handeln kann. Ziel ist, konstruktive und prozesstechnische Entscheidungen abzusichern, bevor Werkzeugänderungen teuer werden.
Im Zentrum steht meist die Frage, ob und wie ein Bauteil zuverlässig füllbar ist. Dazu werden Fließfront, Druck und Temperaturverteilung analysiert, um Anschnittkonzepte zu bewerten, Bindenähte vorherzusagen und Entlüftungsrisiken zu erkennen. Bei Mehrkavitätenwerkzeugen oder Verteilsystemen hilft die Simulation, die Balancierung zu beurteilen, damit alle Kavitäten möglichst gleichmäßig gefüllt werden. Für faserverstärkte Kunststoffe wird zusätzlich die Faserorientierung relevant, weil sie Steifigkeit, Schwindung und späteren Verzug beeinflussen kann.
Die Qualität einer Moldflow-Analyse steht und fällt mit den Eingangsdaten. Entscheidend sind eine passende Materialkarte mit Viskositäts- und pvT-Daten, realistische Randbedingungen wie Schmelzetemperatur und Werkzeugtemperierung sowie ein plausibles Abbild des Anguss- und Kühlsystems. Auch die Vernetzung, also das Mesh, ist kritisch: Zu grobe Elemente glätten lokale Effekte, zu feine Netze erhöhen Rechenzeit und können instabil werden, wenn die Modellannahmen nicht passen.
Typische Probleme, die sich früh erkennen lassen, sind hohe Druckspitzen, die auf zu kleine Querschnitte oder ungünstige Fließwege hinweisen, sowie Hotspots, die auf unzureichende Kühlung oder überhöhte Scherung deuten. Daraus können Fehlerbilder wie Kurzschuss, sichtbare Bindenähte, Verbrennungen oder Oberflächenstörungen entstehen. Bei dickwandigen Bereichen zeigt die Simulation oft, wo Nachdruckwirkung fehlt und dadurch Einfallstellen oder Lunker wahrscheinlicher werden.
Für die Planung ist hilfreich, Ergebnisse nicht isoliert zu interpretieren, sondern Varianten gegeneinander zu stellen. Wenn beispielsweise ein Anschnitt versetzt wird, ändern sich Fließfronten, Bindenähte und Druckbedarf gleichzeitig. Eine saubere Dokumentation der Annahmen und ein Abgleich mit realen Messwerten aus der Erprobung machen Moldflow zu einem robusten Werkzeug, das Iterationsschleifen verkürzt und Entscheidungen nachvollziehbar macht.
