Kontamination bezeichnet Verunreinigungen im Material, im Werkzeug oder im Prozess, die zu sichtbaren oder funktionalen Qualitätsproblemen führen. In der Praxis äußert sich Kontamination häufig durch schwarze Punkte, Schlieren, Einschlüsse, matte Stellen, Geruch oder unerklärliche Schwankungen in Oberfläche und Maß. Manchmal ist der Fehler sofort sichtbar, manchmal zeigt er sich erst später, etwa durch reduzierte Festigkeit, schlechtere Haftung bei Montage oder erhöhte Ausschussquoten.
Typische Quellen liegen im Materialhandling. Staub, Abrieb aus Förderleitungen, Granulatreste im Trichter, falsche Masterbatch-Zugabe oder vermischte Materialchargen sind klassische Ursachen. Besonders kritisch sind Materialwechsel, bei denen Reste des vorherigen Kunststoffs im Schneckenzylinder oder in der Zuführung verbleiben. Wenn die Materialien nicht kompatibel sind, entstehen dann nicht nur optische Störungen, sondern auch Probleme wie Delamination oder spröde Bereiche. Auch Feuchtigkeit kann als Kontamination wirken, weil sie das Material chemisch oder rheologisch verändert, obwohl sie nicht „fest“ sichtbar ist.
Ein weiterer Bereich ist die Maschine selbst. Ablagerungen im Plastifizierzylinder, verbrannte Rückstände an Düse oder Rückstromsperre und Ölnebel aus der Umgebung können in die Schmelze gelangen. Bei zu hoher Schmelzetemperatur oder zu langer Verweilzeit steigt das Risiko von Materialabbau, der dann als dunkle Partikel oder Geruch auffällt. Ebenso können Reinigungsgranulate oder nicht vollständig ausgespülte Additive Kontaminationen verursachen, wenn sie im Prozess verbleiben. Auch das Werkzeug kann Partikel liefern, etwa durch Verschleiß an Schiebern, Korrosion oder abplatzende Beschichtungen, die dann im Bauteil sichtbar werden.
Kontamination ist deshalb oft kein einzelner Fehler, sondern ein Sammelbegriff für sehr unterschiedliche Ursachen. Für die Eingrenzung hilft es, das Fehlerbild genau zu beobachten: Tritt es in allen Kavitäten gleich auf oder nur in einer? Ist es abhängig von Stillstandszeiten, Materialwechseln oder Schichtwechseln? Häufig sind Prozessdaten hier weniger aussagekräftig als der Blick auf Materialfluss, Reinigung und Wartung. Eine saubere Rückverfolgbarkeit von Materialcharge und Parametern erleichtert es, Muster zu erkennen, bevor der Ausschuss steigt.
Zur Vorbeugung gehört ein konsequentes Materialmanagement. Dazu zählen saubere Lagerung, kontrollierte Trocknung, gereinigte Förderwege und klare Regeln für Materialwechsel. Maschinen- und Werkzeugpflege sind ebenfalls wichtig, etwa regelmäßige Reinigung von Düse und Plastifizierbereich sowie Wartung von Schiebern und Entlüftungen. Wenn Kontamination auftritt, lohnt sich ein strukturiertes Vorgehen: zuerst Material und Zuführung prüfen, dann Maschine, danach Werkzeug. Siehe auch: Materialwechsel, Schmelzetemperatur, Delamination.
