Der Kaltkanal-Verteiler ist das Anguss- und Kanalnetzwerk in einem Spritzgießwerkzeug, das die Kunststoffschmelze von der Maschine zu den einzelnen Anschnitten führt, ohne dass es aktiv beheizt wird. Nach dem Zyklus erstarrt dieses Kanalsystem mit und wird als Anguss mit entnommen. Das Design des Kaltkanal-Verteilers, oft als Runner-Design bezeichnet, beeinflusst Füllverhalten, Druckverlust, Zykluszeit und Ausschuss direkt. Im Alltag spricht man auch von Angussverteiler, Kaltkanalsystem oder schlicht von Anguss.

In der Kunststofftechnik ist Runner-Design besonders wichtig bei Mehrkavitätenwerkzeugen und bei Teilen, die sensibel auf Füllschwankungen reagieren. Ein gut ausgelegter Kaltkanal sorgt dafür, dass alle Kavitäten reproduzierbar füllen, möglichst ohne dass einzelne Nester über- oder unterversorgt werden. Gleichzeitig bestimmt er den Anteil an Angussabfall, der später getrennt, gemahlen oder entsorgt werden muss. Bei kurzen Zykluszeiten kann auch die Abkühlzeit des Angusses zum limitierenden Faktor werden, weil der dickste Querschnitt im Kaltkanal oft am langsamsten erstarrt.

Wichtige Aspekte sind die geometrische Auslegung der Kanäle, also Durchmesser, Querschnittsform und Verzweigungen. Runde oder trapezförmige Kanäle haben unterschiedliche Reibung und Entformbarkeit, und jede Umlenkung erzeugt Druckverluste. In vielen Werkzeugen wird versucht, die Fließweglängen zu den Kavitäten zu balancieren, um einen Füllgleichlauf zu erreichen. Dabei spielen auch die Anschnittarten eine Rolle, etwa Punktanschnitt, Tunnelanschnitt oder Filmanschnitt, weil sie Scherung und Druckbedarf beeinflussen. Das Runner-Design hängt damit eng mit Themen wie Anschnitt und Entlüftung zusammen.

Einflussfaktoren sind Materialviskosität, Einspritzgeschwindigkeit, Werkzeugtemperatur und Nachdruck. Hochviskose oder füllstoffhaltige Materialien benötigen oft größere Querschnitte, um Druckspitzen zu vermeiden. Zu kleine Kanäle erhöhen die Scherung, was bei empfindlichen Kunststoffen zu Materialabbau oder Oberflächenstörungen führen kann. Zu große Kanäle erhöhen dagegen Angussgewicht und Kühlzeit. Auch die Lage des Angusses relativ zur Bauteilgeometrie beeinflusst Bindenähte, Fließlinien und die Verteilung der Packung.

Typische Fehlerbilder bei schlechtem Runner-Design sind stark unterschiedliche Teilegewichte, wiederkehrende Kurzschüsse in einzelnen Nestern, sichtbare Bindenähte an ungünstigen Stellen oder Überpackung mit daraus resultierenden Einfallstellen. Auch das Trennen des Angusses kann problematisch werden, wenn Angussreste an Sichtflächen ausreißen oder wenn der Anguss zu spröde ist. In der Serie kann außerdem Angussbruch in der Entnahme auftreten, was Stillstand und Störungen verursacht. Oft steckt dahinter eine Kombination aus ungünstigen Querschnitten, zu langen Fließwegen und unzureichender Temperierung im Werkzeugbereich rund um den Verteiler.

Für die Planung ist es sinnvoll, Runner-Design und Bauteildesign gemeinsam zu betrachten, statt den Anguss „zum Schluss“ zu definieren. Ziel ist ein sinnvoller Kompromiss aus geringem Druckverlust, wenig Angussabfall und stabiler Zykluszeit. Häufig hilft eine Simulation, um Fließfronten, Druckverlauf und Balancierung vorab zu beurteilen. Wenn Kaltkanal-Verteiler, Anschnitt und Prozessfenster zusammenpassen, lässt sich auch ohne Heißkanal eine sehr stabile Serienfertigung erreichen, die wirtschaftlich und robust ist.