Der Druckverlust bezeichnet den Druckabfall, der entsteht, wenn Kunststoffschmelze durch Anguss, Verteiler und die Kavität fließt. Er ist ein zentrales Maß für die Füllbarkeit eines Bauteils, weil die Spritzgießmaschine nur einen begrenzten maximalen Einspritzdruck zur Verfügung stellt. Ein hoher Druckverlust bedeutet, dass das Material auf dem Weg zur Fließfront viel Energie durch Reibung und Strömungswiderstand verliert und dass die Reserven für eine stabile Prozessführung kleiner werden.
Im Spritzguss setzt sich der Druckverlust aus mehreren Anteilen zusammen. Querschnittsänderungen, lange Fließwege, enge Rippenkanäle oder dünne Wandstärken erhöhen den Widerstand. Auch Anschnittgeometrie und Angussystem tragen stark bei, weil dort oft hohe Scherung auftritt. In der Füllsimulation wird der Druckverlust entlang der Fließwege berechnet, um zu prüfen, ob kritische Bereiche drohen und ob die Kavität vollständig gefüllt wird, ohne dass die Maschine an ihre Grenzen kommt.
Materialseitig ist die Viskosität der wichtigste Treiber. Sie hängt von Temperatur und Schergeschwindigkeit ab und reagiert auf Füllstoffe, Fasern und Additive. Ein zähflüssiger Werkstoff oder eine zu niedrige Schmelzetemperatur erhöht den Druckverlust, ebenso eine zu kalte Werkzeugwand, weil die Randschicht schneller erstarrt und den effektiven Fließquerschnitt verkleinert. Prozessseitig wirkt die Einspritzgeschwindigkeit doppelt: Sie kann durch Scherwärme die Viskosität senken, steigert aber gleichzeitig die Druckspitzen, wenn Querschnitte klein sind.
Typische Fehlerbilder eines zu hohen Druckverlusts sind Kurzschuss, unvollständig gefüllte Details oder stark schwankende Bauteilgewichte. Auch Bindenähte können kritischer werden, wenn die Fließfront spät und bereits abgekühlt zusammenläuft. Zusätzlich steigt die Gefahr von Entlüftungsproblemen, weil hohe Druckgradienten Luft stark komprimieren. In Grenzfällen zeigt sich das als Verbrennungen an der Entlüftung oder als Oberflächenstörung im Fließende.
Für die Auslegung sind mehrere Stellhebel sinnvoll. Konstruktiv helfen gleichmäßigere Wandstärken und weniger Engstellen, damit der Strömungswiderstand sinkt. Werkzeugseitig kann ein angepasster Anschnitt oder ein größer dimensioniertes Angussystem Druckverluste reduzieren, ohne die Zykluszeit unnötig zu erhöhen. Prozessseitig werden Schmelze- und Werkzeugtemperatur sowie Einspritzprofil so gewählt, dass die Fließfront ausreichend warm bleibt. Ein gut verstandener Druckverlust ist damit eine Grundlage für stabile Füllung, reproduzierbares Bauteilgewicht und weniger Ausschuss.
