LDPE steht für Low Density Polyethylen und ist ein Thermoplast aus der Polyethylen-Familie mit vergleichsweise niedriger Dichte. In der Kunststofftechnik wird LDPE vor allem wegen seiner hohen Duktilität, seiner guten Zähigkeit und seiner chemischen Beständigkeit geschätzt. Das Material ist weich, flexibel und zeigt eine ausgeprägte Neigung zu Kriechen unter Dauerlast, was bei der Bauteilauslegung berücksichtigt werden muss. Im Vergleich zu HDPE ist LDPE meist weniger steif, dafür aber oft besser verformbar und schlagunempfindlicher bei niedrigen Temperaturen.

Im Spritzguss lässt sich LDPE grundsätzlich verarbeiten, wird aber häufig auch extrudiert oder für Folien und Beschichtungen eingesetzt. Für Formteile ist die Fließfähigkeit abhängig von der Type, und die Bauteilgeometrie bestimmt, ob sich dünne Bereiche zuverlässig füllen lassen. LDPE ist teilkristallin, wodurch Schwindung und Verzug eine Rolle spielen können, insbesondere bei ungleichmäßigen Wanddicken und langen Fließwegen. Die Werkzeugtemperatur, die Einspritzgeschwindigkeit und die Nachdruckführung beeinflussen, wie dicht und maßhaltig das Teil erstarrt.

Typische Anwendungen sind flexible Abdeckungen, Kappen, Dichtlippen, einfache Gehäuseelemente, Verpackungsteile oder Funktionselemente, bei denen Schlagzähigkeit und Biegsamkeit wichtiger sind als hohe Steifigkeit. Im Werkzeug- und Formenbau ist bei LDPE die Entformung meist unkritisch, weil das Material nachgiebig ist. Gleichzeitig können weiche Bauteile beim Auswerfen oder Handling leicht verkratzen oder sich verformen, was sich bei Sichtflächen und engen Toleranzen bemerkbar macht.

Einflussfaktoren auf die Qualität sind Materialtype, Wanddickenverlauf, Oberflächenanforderung und Prozessparameter. Wenn Wanddicken zu stark variieren, entstehen Einfallstellen oder lokale Dichteunterschiede, die sich auf Maßhaltigkeit und Haptik auswirken. Zu hoher Nachdruck kann bei weichen Teilen zu Gratbildung oder zu starkem Pressen in Trennfugen führen, während zu geringer Nachdruck die Dichte reduziert und Schrumpfprobleme verstärken kann. Bei dünnwandigen Bereichen spielt die Anschnitt-Position eine zentrale Rolle, weil LDPE zwar gut fließt, aber die Fließfront bei großen Flächen optische Fließlinien zeigen kann.

Typische Fehlerbilder sind Grat, Einfallstellen, Fließlinien und gelegentlich sichtbare Bindenähte an Stellen, an denen Fließfronten wieder zusammentreffen. Bei mechanischer Auslegung sind eher funktionale Risiken entscheidend: Unter dauerhafter Belastung kann LDPE deutlich kriechen, und Rast- oder Schraubverbindungen verlieren bei ungünstiger Geometrie über Zeit Vorspannung. In der Planung helfen deshalb großzügige Radien, gleichmäßige Wanddicken und eine Konstruktion, die Dauerlasten reduziert oder Lasten auf größere Flächen verteilt. So lässt sich LDPE robust einsetzen, wenn Flexibilität und Chemikalienbeständigkeit im Vordergrund stehen.