Der Kaltkanal ist ein Anguss- und Verteilersystem im Spritzguss, bei dem die Schmelze nach jedem Zyklus im Kanal erstarrt und zusammen mit dem Bauteil als Anguss ausgeworfen wird. Im Gegensatz zum Heißkanal bleibt das System nicht auf Schmelzetemperatur, sondern kühlt mit ab. Kaltkanäle sind technisch robust und vergleichsweise einfach, verursachen aber zusätzlichen Materialverbrauch und Nacharbeit, weil der Anguss vom Teil getrennt werden muss, sofern er nicht mitverwendet werden kann.
Die Auslegung eines Kaltkanals beeinflusst Füllverhalten und Druckbedarf. Querschnitte, Längen und Übergänge bestimmen, wie stark die Schmelze abkühlt und welchen Einspritzdruck man benötigt, um die Kavität sicher zu füllen. Ein zu dünner Kaltkanal kann früh zufrieren und damit die wirksame Nachdruckzeit begrenzen. Ein zu großer Kaltkanal erhöht dagegen die Angussmasse, verlängert die Kühlzeit und steigert den Materialverbrauch. Besonders bei Mehrkavitätenwerkzeugen ist eine saubere Balance wichtig, damit alle Kavitäten gleichmäßig gefüllt werden.
Ein Vorteil des Kaltkanals ist seine einfache Wartung und die geringere technische Komplexität. Gleichzeitig muss man den Umgang mit dem Anguss im Prozess sauber planen. Je nach Material kann der Anguss gemahlen und wieder beigemischt werden, was aber Einfluss auf Kontamination, Feuchte und Bauteileigenschaften haben kann. Bei Sichtteilen oder engen Anforderungen kann Regranulat zu Schlieren, Punkten oder Maßdrift beitragen, wenn die Mischung nicht konstant ist. Deshalb gehört zum Kaltkanal oft auch eine klare Regel, wie viel Angussmaterial wiederverwendet werden darf und wie die Rückführung überwacht wird.
Kaltkanäle beeinflussen auch die Zykluszeit. Da die Angussmasse ebenfalls auskühlen muss, verlängert sich häufig die Kühlzeit im Vergleich zu einem Heißkanal, besonders wenn der Anguss dick ist. Gleichzeitig kann ein gut ausgelegter Kaltkanal sehr stabile Prozesse liefern, weil die Schmelze in jedem Zyklus die gleichen thermischen Bedingungen hat, sofern Werkzeugtemperierung und Schmelzetemperatur stabil bleiben. Typische Probleme entstehen eher durch falsche Dimensionierung oder durch ungleichmäßige Verteilung.
In der Praxis wird der Kaltkanal häufig bei kleineren bis mittleren Serien oder bei Materialien eingesetzt, bei denen Heißkanal technisch oder wirtschaftlich nicht sinnvoll ist. Entscheidend ist, dass Anschnitt und Kanal so ausgelegt sind, dass Nachdruck wirkt und die Kavitäten gleichmäßig gefüllt werden. Siehe auch: Anguss, Anschnitt, Kühlzeit.
