Gasblasen sind eingeschlossene Blasen oder Hohlräume im Kunststoffteil, die durch Gas, Luft oder verdampfende Bestandteile in der Schmelze entstehen. Sie können als sichtbare Einschlüsse, milchige Stellen oder als Volumenfehler auftreten. Je nach Lage beeinflussen Gasblasen die Optik, die Festigkeit und im schlimmsten Fall die Dichtheit. Wichtig ist die Abgrenzung zu Lunkern: Während ein Lunker primär durch Schwindung und fehlende Nachspeisung entsteht, sind Gasblasen stärker durch Gasquellen oder eingeschlossene Luft geprägt, auch wenn beide Fehlerbilder in der Praxis ähnlich wirken können.
Eine häufige Ursache ist Feuchtigkeit im Material. Wenn Granulat nicht richtig getrocknet wird, kann Wasser beim Plastifizieren verdampfen und Gas bilden. Besonders bei hygroskopischen Kunststoffen ist die Trocknung daher ein zentraler Punkt. Auch Zersetzung durch zu hohe Temperatur oder zu lange Verweilzeit kann Gas freisetzen. Dann entstehen Blasen nicht nur sporadisch, sondern oft in Kombination mit Geruch, Verfärbungen oder Oberflächenfehlern. Zudem kann Luft über Undichtigkeiten im Einzug, über schlecht abdichtende Förderleitungen oder durch falsches Dosieren in die Schmelze gelangen.
Werkzeugseitig spielt die Entlüftung eine große Rolle. Wenn Luft beim Füllen nicht sauber entweichen kann, wird sie eingeschlossen und kann als Blase im Bauteil verbleiben. Das Risiko steigt bei langen Fließwegen, dünnwandigen Bereichen und bei stark strukturierten Geometrien. Auch ein ungünstiges Anschnitt-Konzept kann dazu führen, dass Luft in Sackgassen gedrückt wird. Zusätzlich kann eine turbulente Strömung, etwa durch sehr hohe Einspritzgeschwindigkeit oder Jetting, Luft stärker einmischen und Blasenbildung verstärken.
In der Prozessanalyse ist es hilfreich, Muster zu beobachten. Treten Gasblasen in der Nähe des Anschnitts auf, kann es eher an Materialzustand oder Plastifizierung liegen. Treten sie am Fließende oder in bestimmten Kavitätszonen auf, ist Entlüftung oft der erste Ansatz. Auch die Druckkurve kann Hinweise geben: Ein instabiler Druckaufbau oder starke Schwankungen können auf Luftpolster oder auf wechselnde Viskosität hinweisen. Bei Mehrkavitätenwerkzeugen lohnt sich zudem der Vergleich zwischen den Kavitäten, weil Entlüftung und Füllbalance unterschiedlich sein können.
Zur Vermeidung werden meist Materialtrocknung und Temperaturführung stabilisiert, und die Entlüftung im Werkzeug geprüft. Eine angepasste Einspritzgeschwindigkeit kann helfen, die Strömung ruhiger zu machen und weniger Luft einzumischen. Wenn Gasblasen trotz sauberer Trocknung auftreten, sollte auch das Materialsystem und mögliche Kontamination geprüft werden. Siehe auch: Trocknung, Entlüftung, Lunker.
