Sieben von Pulver ist ein Aufbereitungsschritt, bei dem Pulverwerkstoffe durch ein Sieb geführt werden, um Klumpen, Fremdpartikel und zu große Partikelanteile zu entfernen. In der additiven Fertigung ist das Sieben besonders wichtig bei Pulverbettverfahren wie MJF oder SLS sowie bei metallischen Verfahren wie SLM. Im technischen Sprachgebrauch tauchen dabei häufig Begriffe wie Siebfraktion, Maschenweite, Agglomerate, Feinanteile und Kontamination auf. Ziel ist ein Pulver, das sich gleichmäßig auftragen lässt und im Prozess reproduzierbar verschmilzt.
In der Kunststofftechnik beeinflusst das Sieben direkt die Qualität des Schichtauftrags. Wenn Agglomerate oder Fremdpartikel im Pulver bleiben, können sie den Rakel oder den Beschichter stören und zu Auftragsfehlern führen. Das zeigt sich später als lokale Dichteunterschiede, raue Stellen oder reduzierte Festigkeit. Auch in Spritzguss-nahen Anwendungen, etwa wenn additiv gefertigte Teile als Montagehilfen oder Funktionsmuster dienen, ist die Reproduzierbarkeit wichtig, weil Passungen und Funktionsflächen von einer stabilen Prozesskette abhängen.
Einflussfaktoren beim Sieben sind die gewählte Maschenweite, die Siebtechnik und der Zustand des Pulvers. Eine zu grobe Masche lässt Störpartikel durch, eine zu feine Masche erhöht den Aufwand und kann den Durchsatz stark reduzieren. Je nach Material können Feuchte und elektrostatische Effekte das Sieben erschweren, weil Pulver verklumpt oder am Sieb haftet. Außerdem wirkt die thermische Alterung auf das Verhalten: „Gebrauchtes“ Pulver kann stärker agglomerieren, während ein hoher Anteil an Feinteilen den Prozess staubiger macht und die Fließfähigkeit verändert. In der Praxis ist daher häufig eine Kombination aus Sieben, Entklumpen und definiertem Mischen sinnvoll.
Typische Fehlerbilder bei unzureichendem Sieben sind Streifen im Pulverbett, Auftragslücken, Einschlüsse im Bauteil oder sichtbare Partikel in der Oberfläche. Bei Kunststoffpulvern kann sich das als Porosität oder als schwankende mechanische Eigenschaften zeigen, besonders an dünnen Wandbereichen. Bei metallischen Pulvern ist Kontamination besonders kritisch, weil Fremdpartikel oder Oxide die Schmelze stören und Bindefehler begünstigen. Deshalb wird das Sieben oft als Teil eines kontrollierten Pulvermanagements verstanden, inklusive sauberer Behälter, klarer Chargenführung und dokumentierter Prozessschritte.
Für die Planung ist wichtig, Sieben nicht als isolierten Schritt zu betrachten. Es muss in den Materialkreislauf passen: Wann wird gesiebt, wie werden Siebe gereinigt, wie wird verhindert, dass unterschiedliche Pulver vermischt werden, und wie wird die Rückverfolgbarkeit erhalten. Gerade wenn Bauteile später montagekritische Funktionen haben, lohnt sich ein stabiles Siebkonzept, weil es die Streuung im Prozess reduziert. In vielen Fällen verbessert konsequentes Sieben nicht nur die Bauteilqualität, sondern auch die Prozessstabilität und die Reproduzierbarkeit über mehrere Jobs hinweg.
